In dieser Woche wurden sowohl die Strecke des Giro d’Italia als auch der Tour de France 2012 bei glamourösen Feiern in Milan und Paris vorgestellt.
Die beiden Touren könnten im nächsten Jahr nicht unterschiedlicher sein: Im Giro werden Kletterspezialisten die Nase vorn haben und in der Tour Rundumtalente.
Weitere Vergleiche und was zu erwarten ist im zweiten Blog; konzentrieren wir uns zunächst auf den Giro.
Giro d’Italia 2012
Eine echte Überraschung ist der Prolog: Der Giro wird am Samstag, 5. Mai in Dänemark beginnen. Auf den ersten 8,7 km auf den Zeitfahrrädern werden Fahrer wie Cancellara, Tony Martin und Wiggins um das berühmte Maglia Rosa kämpfen (sofern Sie am Giro teilnehmen werden – in Wiggins Fall unwahrscheinlich).
Die Fahrer werden zwei weitere flache und schnelle Tage in Dänemark verbringen. In Erinnerung an den belgischen Leopard Trek Fahrer 108 Wouter Weylandt, der im vorherigen Jahr in einem tragischen Unfall in der dritten Etappe des Giro um’s Leben kam, ist die dritte Etappe in Form der Zahl Acht konzipiert. Jede dieser Etappen ist ideal für einen Massensprint und es wäre keine Überraschung, wenn Mark Cavendish, frischgebackener Weltmeister, in seinem Regenbogentrikot als erster die Ziellinie überquert. Zu den Ausreißern könnte Jakob Fuglsang gehören, für den ein Erfolg in heimischen Gefilden ein echtes Highlight wäre.
Der erste Erholungstag ist der 8. Mai, an dem sich Fahrer und Crew jedoch quer durch Europa auf den Weg zur ersten italiensichen Etappe machen werden. Im schönen Verona werden sie als Teams antreten. Statt Shakespeare wird es jedoch eher um Skinsuits und Aerohelme gehen, in denen das 32,2 km lange Mannschaftszeitfahren absolviert wird. Es ist zu erwarten, das Garmin-Cervelo hier die Nase vorn haben werden, da die neueren Teams in Sachen Zusammenarbeit unterlegen sind.
Weiter geht es dann im Süden, von Modena (Heimat von Ferrari – Autos, nicht Michele!) an der Ostküste in Richtung San Marino, dann Rimini und letztendlich die Küstenstadt Fano, die sich aufgrund der flachen Strecke wieder für Massensprints eignen wird.Weiter geht es landeinwärts auf einer 207 km langen Strecke mit einigen kurzen, steilen Hügeln. Alle, die an Bergpunkten ineressiert sind, werden hier mit Sicherheit besonderen Einsatz zeigen. Ausreißer sind vor allem von vielen der kleineren italienischen Teams zu erwarten. Die folgenden Etappen verlaufen ähnlich – lang mit einigen mittelschweren Anstiegen, aber nicht wirklich bergig. Diejenigen, die auf eine gute Gesamtwertung hoffen, sollten ihre Teams jedoch im vorderen Bereich des Pelotons halten, da Giros oft in den mittleren Etappen entschieden wurden. Freuen Sie sich auf viele Massensprints und mit ein wenig Glück einen oder zwei einzelne Gewinner!
Für die längste Etappe des Giros kehren die Fahrer in den Norden Italiens, in die antike Stadt Assisi, Geburtsort Franz von Assisis, zurück. Auf den 243 kmwerden sich die Fahrer über die leicht absteigende Straße freuen. Von hier aus geht es weiter zur westlichen Küste Italiens, nach Seravezza, Sestri Levante und Savone, bevor landeinwärts die ersten richtigen Bergetappen warten.Am 19. Mai werden die Fahrer in 2000 m Höhe im angesagten Skiresort Cervinia ankommen, ein entscheidender Punkt für die Gesamtwertung. Während sich bei vielen der Favoriten Müdigkeit bemerkbar machen wird, werden diejenigen mit Kraftreserven hier wahrscheinlich einen Angriff wagen. Hier lohnt es sich, Rodriguez, Cobo, Di Luca, Nibali und Scarponi im Auge zu behalten.
Die folgenden Tage in den Bergen sind nicht ganz so extrem, aber einige Fahrer werden versuchen, verlorene Zeit vor dem wohlverdienten Ruhetag wieder aufzuholen. Weiter geht es nördlich durch die italienischen Alpen, über Bergamo zum Ufer des schönen Lake Como. Auf den vier Anstiegen können Kletterspezialisten glänzen und die Sprinter sich abmühen. Hier ist mit einigen Ausreißern zu rechnen, die sich Bergpunkte holen wollen – insbesondere diejenigen, die in Hinsicht auf die Gesamtwertung nichts zu verlieren haben und daher alles auf das Maglia Verde setzen.Nach einem Erholungstag können sich die Fahrer auf die relativ flache, 174 km lange Übergangsstrecke von der Spitze des Gardasees über Bolzano zur österreichischen Grenze freuen (wenn man dies so nennen kann?!).
Am 25. Mai geht es zurück in die Berge mit Anstiegen in den Pässen der Dolomiten inklusive Giau und Valparola. Beendet wird die Etappe in einem weiteren glamourösen Skiresort, diesmal Cortina d’Ampezzo. Die nächste Etappe ist eher ungewöhnlich, da es den Großteil der 139 km langen Strecke bergab geht. Abgesehen vom Zeitfahren könnte diese Etappe mit Sicherheit die schnellste der letzten Jahre werden! Hier können wir auch den letzten Massensprint des Giros erwarten.
Die letzten beiden Straßenetappen zeichnen sich durch alles aus, das den Giro so interessant macht: steile Anstiege, dramatische Abfahrten und berüchtigte Pässe. Die vorletzte Etappe am 26. Mai ist ein 218 km langer Kampf über den Passo Tonale nach Aprica. Danach stellen sich die Fahrer der eigentlichen Herausforderung der Strecke: dem Mortirolopass – 11,4 km mit einer durchschnittlichen Steigung von 10,5%, davon 6 km mit einer Steigung von 11-14%.


Dieser Abschnitt wird weh tun! Die Fahrer, die dies überstehen, haben dann den Passo dello Stelvio vor such, mit 2757 m der Cima Coppi, der höchste Gipfel des Giros. Auf dem Weg in’s Tal ist in 48 Haarnadelkurven, von denen einige bis auf das ursprüngliche Kopfsteinpflaster von 1820 abgenutzt sind, mit jeder Menge Schnee zu rechnen. Für die Sprinter, die jetzt noch dabei sind, könnte es mit nur noch einem Tag schwierig werden. Kletterspezialisten werden aus dem unwegsamen Gelände ihren Vorteil schlagen, besonders gute Karten haben Scarponi und Cunego. Interessant werden auch die ultraleichten Fahrräder und Komponenten wie Kompakt- und Dreifach-Kurbeln sowie Schaltungen mit langem Käfig sein, mit denen die Fahrer versuchen, den Mortirolo zu bezwingen!
Die mittlerweile traditionelle letzte Zeitfahretappe ist eine 31,5 km lange Rundstrecke durch die Straßen von Milan zur Ziellinie.
Wer wird gewinnen?
Ohne Contador (der sich auf die Tour konzentrieren wird, falls der CAS zu seinen Gunsten urteilt) haben Kletterer gute Chancen. Rundumtalente werden mit den schwierigen Anstiegen in den späteren Etappen Probleme haben und die Zeitfahrabschnitte sind zu kurz, um wirklich eine Rolle zu spielen. Fahrer wie Nibali, Basso und Cunego haben gute Chancen, aber auch jüngere Profis wie Roman Kreuziger und Chris Froome könnten glänzen. Wenn sie nicht so auf die Tour fixiert wären, wäre die Strecke für die Schleck Brüder ideal. Cavendish könnte das Punktetrikot gewinnen, aber Gewinner der Gesamtwertung wird wahrscheinlich der Träger des Maglia Verdes, da die Berge eine so entscheidende Rolle spielen.
Wer auch immer gewinnt oder verliert, wir können uns auf drei aufregende Wochen im Mai freuen!
Weitere Informationen zur Strecke:
Giro d’Italia 2012 auf La Gazzetta dell Sport.it

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